TRiki - schmaler Keilriemen

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tr_tom
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TRiki - schmaler Keilriemen

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Beitrag von tr_tom » 13.12.2015, 19:48

Umrüstung 4-Zylinder-Motore auf schmalen Keilriemen

Dieser Artikel wurde im Aug 2009 von voltri angelegt. Korrekturen, Verbesserung und Ergänzungen sind erwünscht.

Zur Zeit (Stand 06/10) besteht der Verdacht, daß die Materialgüte der Alu-Riemenscheiben für den dauerhaften Betrieb ungeeignet ist. Derjenige, der dennoch umrüsten will, sollte sich um Stahlscheiben bemühen und seine Lösung hier im Forum publik machen. Danke!

Viele Male habe ich mich über den breiten Keilriemen geärgert! Die Haltbarkeit war nie besonders groß, er zerlegte sich gerne dann, wenn man a) nicht damit gerechnet hat, b) irgendwo in der Pampa, c) bei Sauwetter, d) wenn jemand anderes mit dem TR unterwegs war, dies gerne nach 22 Uhr und bei Dunkelheit und e) in der Kombination aller Widrigkeiten. Murphy lässt grüßen.

Der Tausch artet bekanntlich in richtige Arbeit aus, weil die Befestigung des Motors auf einer Seite gelöst und der Motor angehoben werden muß, damit der Riemen zwischen Adapter Lüfterrad und dem Querträger hindurch passt.

Ausschlaggebend für meinen Umbau war letztendlich die Qualität der breiten Riemen. Ersatz ist darüber hinaus meistens entweder zu kurz oder zu lang, in jedem Fall schwer zu handhaben. Der „Spezialist“ hat mir zuletzt einen Mitsubishi-Riemen eingebaut, der nicht nur zu lang, sondern zu allem Überfluß auch zu breit war. Ein tolles Objekt für das Kabinett des Grauens an meiner Werkstattwand!

Im Handel werden Umrüstsätze für den TR4 angeboten. Was die mir bekannten Umrüstsätze angeht, wird dabei verschwiegen, dass es sich bei einzelnen Scheiben des Satzes faktisch um Rohlinge handelt, also eine Anpassung zwangsweise erforderlich ist. Das gilt auch für die konischen Sitze, die nachbearbeitet werden müssen. Selbstverständlich sind auf der KW-Scheibe auch keine Grad-Markierungen angebracht und OT ist schon gar nicht eingefräst. Die Riemenscheibe für die Gleichstromlima besitzt einen sehr viel zu großen Durchmesser, was die Drehzahl und damit den erzeugten Strom soweit begrenzt, daß die sich ergebende Fehlmenge direkt der Batterie entnommen wird. SCHROTT! Ein Hinweis darauf erfolgt nicht, der Erwerber wird also, wie so oft, getäuscht. Und ungerechtfertigt teuer ebenfalls. Wem also dieser Satz untergejubelt worden ist, reklamiert oder bestellt gleich eine passende Lima-Scheibe dazu. Eine mit 70mm Durchmesser hat sich bewährt. Mit dem etwas geringeren Durchmesser im Vergleich zur Originalscheibe erhöht sich im Betrieb die Drehzahl der Lima und es wird mehr Strom erzeugt. Es gibt eine noch kleinere, wobei fraglich ist, ob die Lima-Lager auf Dauer die Belastungen der jetzt deutlich erhöhten Drehzahl verkraften. Sie sind dafür nicht ausgelegt.

Wer diesen Satz nun vor sich liegen hat, den erwartet folgende Arbeit:


1. alte Riemenscheiben von KW, WaPu und Lima herunternehmen. Bei Lima und Wapu ist es möglicherweise sinnvoll, diese vorher auszubauen, damit es sich leichter arbeiten lässt.

2. neue KW-Scheibe provisorisch, aber fest, montieren

3. OT suchen und auf der Scheibe gegenüber der an dem Stirndeckel angebrachten Spitze markieren. Sorgfältig und mit Bedacht! Für denjenigen, der den Motor auf der Werkbank stehen hat, gestaltet sich das sehr viel einfacher. OT ist der obere Totpunkt des ersten Zylinders, d.h., der Kolben hat nach dem Aufsteigen den höchsten Punkt erreicht, bevor er sich wieder abwärts bewegt. Daran denken, daß die Steuerkette etwas Spiel besitzt. Wer im Zeifel ist, benutzt eine Meßvorrichtung, z.B. einen OT-Sucher für Motorräder.

4. Motor einige Male durchdrehen und OT-Markierung kontrollieren. Ggfs. wiederholen bis die wirklich korrekte Stellung gefunden ist. Bei ausgebautem Motor wird jetzt auch, sofern nicht bereits vorher geschehen, auf dem Schwungrad die OT-Markierung gegenüber dem Grat am Block mit Farbe angebracht.

5. Die OT-Markierung auf der alten Riemenscheide, sollte nicht auf die neue Scheibe übertragen werden. Sie stimmt häufig genug nicht mit der Realität überein. Bei meinem TR bspw. war die alte KW-Scheibe nur um 180° versetzt montierbar!

6. Scheibe wieder abnehmen und auf OT eine Kerbe anbringen (Feile, Dremel)

7. Mit Hilfe eines Winkelmessers oder einer Gradscheibe (Internet) Markierungen für die Einstellung des ZZP anbringen. 4° vor OT ist der statische ZZP, der dynamische liegt irgendwo zwischen 20 und 30°. Sorgfältig arbeiten! Einbaulage der Scheibe beachten! Drehrichtung des Motors beachten! Zusätzliches Markieren mit dunkler Farbe verbessert den Kontrast für das spätere Abblitzen mit einem Stroboskop.

8. Für meine elektronische Zündung habe ich lediglich den dynamischen Einstellbereich mit Farbe gekennzeichnet und nach dem Einstellen eine endgültige Markierung für den ZZP eingefräst. Daran wird sich nie wieder etwas ändern.

9. Riemenscheibe montieren

10. Prüfen, ob die Wapu-Scheibe auf den konischen Sitz der Welle passt. Wenn nicht, mit Dremel nacharbeiten. Langsam und konzentriert arbeiten. Das Ergebnis und den Arbeitsfortschritt immer wieder überprüfen. Strammer Sitz soll auch nach der Bearbeitung vorhanden sein, ebenso wie exakter Rundlauf ohne Schlag. Vor allem aber soll die Scheibe nicht auf der Welle kippeln.

11. Bei der Anprobe auf ein exaktes Fluchten der KW-Scheibe und Wapu-Scheibe hinarbeiten. Exakt bedeutet perfekt! Ist dies nicht der Fall, ist späterer Ärger vorprogrammiert. Der korrekte Sitz wird mit einem Haarlineal oder einem absolut geraden Metallteil, z.B. Sägeblatt, überprüft. Achtung: die Wandstärken des Riemenlaufs bei den einzelnen Rädern können unterschiedlich dick sein, bzw. sie sind es sogar! Beim Beurteilen der Flucht ist dieser Unterschied zu berücksichtigen.

12. Wapu-Glocke fest montieren und die Ausrichtung noch einmal überprüfen. Alles passt und fluchtet immer noch? Gut.

13. Das Anpassen der Lima-Scheibe geschieht ähnlich. Erschwerend kommt hinzu, dass der hintere Teil abgedreht werden muß, und zwar so weit, dass das originale Lüfterblatt der Lima wieder montiert werden kann. Mit sorgfältigem Messen, Augenmaß und Feeling wird auch dies gelingen. Sollten sich dennoch geringe Abweichungen in der Flucht ergeben, können diese durchaus mit einer passenden Scheibe ausgeglichen werden. Passende Scheiben sind vorhanden?

14. Ob und wie die Lüfterscheibe an der Lima-Scheibe fixiert werden soll, bleibt jedem selbst überlassen. Persönlich habe ich es dabei belassen, das Rad einzuklemmen. Das hat bis dato keine Probleme verursacht.

15. Je nach Durchmesser der Lima-Scheibe können 950er oder 960er-Keilriemen verwendet werden. Sie sollen so bemessen sein, dass sie bei gelöster und an den Block angelegter Lima ohne Gewaltanwendung aufgelegt werden können und zum anderen nicht zu lang sind, damit für das Nachspannen ausreichend Luft am Bügel bleibt. Wer die Riemen vor Ort besorgt, tauscht bei seinem Händler so lange, bis er den passenden Riemen gefunden hat. Passender Ersatz wird dann gleich mit erworben. Keilriemen montieren und spannen. Nicht mit Gewalt, er soll sich anschließend an der längsten freilaufenden Stelle leicht ca.10 mm durchdrücken lassen. Ein zu stramm gespannter Keilriemen belastet das vordere Lima-Lager stark und wird es über kurz oder lang beschädigen und zerstören. Neue Keilriemen dehnen sich recht stark. Daher nach einigen 100km nachspannen.

16. So, alles ist bearbeitet und montiert. Zeit für einen Probelauf. Der tatsächliche Lauf des Keilriemens lässt sich jetzt sehr schön beobachten. Kein oder nur ganz, ganz geringer Schlag? Gut so. Anderenfalls muß nachgearbeitet werden. Wer dies unterlässt, wird unweigerlich mit übermäßigem Verschleiß und kurzer Lebensdauer des Riemens konfrontiert werden. Dann hat sich die Umrüstung nicht gelohnt und der Frust beginnt von neuem.

17. Nachtrag am 19.11.2009: Habe gerade den aktuellen Katalog von Moss UK erhalten. Es wird hier ein Umrüstsatz mit anscheinend passender Lima-Scheibe angeboten. Inwieweit das alte Lüfterrad weiterverwendet wird geht aus der Artikelbeschreibung nicht hervor. Die Montage eines Lüfterrades zur Kühlung der Lima muß auf jeden Fall erfolgen.
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Fazit

Die für den TR4 angebotenen Umrüstsätze sind für eine Montage ohne aufwändige Anpassung ungeeignet. Sie sind als Rohlinge zu begreifen. Die individuelle Anpassung muß am Fahrzeug erfolgen. Der Vorteil einer Umrüstung liegt einzig und allein in dem einfachen Wechsel eines defekten 10mm-Riemens, dessen flächendeckender Verfügbarkeit und seiner hochwertigen Qualität.

Ersatzteile

Wer auf Reisen geht, hat selbstverständlich einen Ersatzkeilriemen dabei. Es empfiehlt sich ferner, auf der mitgeführten Ersatzpumpe bereits eine Riemenscheibe montiert zu haben. Ausprobiert habe ich es noch nicht, bin jedoch zutiefst davon überzeugt, die Materialgüte der Aluscheibe lässt ein beschädigungsfreies Abziehen so ohne weiteres nicht zu, ohne wirklich geeignetes Werkzeug wird es schon gar nicht gehen. Mir ist ein zweiter Scheibensatz zugeflogen und dessen Wapu-Scheibe habe ich vorsorglich auf der Ersatzpumpe montiert. Nur so ist der einfache Tausch der Pumpe möglich.
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